Grundsätze der Pastoral im Dritten und Viertem Lebensalter

  • Altenpastoral orientiert sich an der Lebenswirklichkeit und an der biographisch geprägten Glaubensgestalt der Frauen und Männer im Dritten und Vierten Alter. Eine fraglose Beheimatung in der Kirche und im überkommenen Glaubensgut ist bei vielen älteren Menschen nicht mehr vorauszusetzen. Glaubenszweifel, Erfahrung von Brüchen, Leid und Schuld im eigenen Leben, das Schwinden der Jenseitsdimension und der Auferstehungshoffnung weisen auf Wandlungen der Glaubensgestalt beim Älterwerden hin. Diese müssen wahrgenommen und versöhnend und hoffnungsvoll aufgearbeitet werden. Angesichts der Verluste, der Grenzen und der letztendlichen Todesperspektive werden die Herausforderungen einer eschatologisch orientierten Seelsorge größer, aber unabdinglich.

  • Altenpastoral respektiert die Begrenztheit menschlichen Lebens, die als leibliche und seelische Hinfälligkeit, aber auch als Misserfolgsgeschichte, als persönliche Schuld und als Versagen die späten Lebensjahre belasten kann. Sie weiß darum, dass das letzte Wort Gottes über die jeweilige Biographie nicht gesprochen ist. Deshalb sorgt sich die Kirche um die Möglichkeit, auch Menschen in solchen Situationen die heilende Nähe Gottes zu vermitteln und sie mit ihrem Leben und mit Gott zu versöhnen.

  • Altenpastoral nimmt die Lebenssituationen, die Kompetenzen und Bedürftigkeiten alter Menschen sorgfältig war. Altenpastoral geht auch auf jene zu, die die Kirche (auch im Alter) verlassen haben.

  • Angebote der Altenpastoral ermutigen Frauen und Männer, ihre Lebenssituation wahrzunehmen, anzuerkennen und zu gestalten. Bei dieser eigenverantwortlichen Gestaltung werden sie von den amtlichen, beruflichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Altenpastoral begleitet und in dem Maße, wie ihre eigenen Kräfte nicht ausreichen, unterstützt.

  • Eine besondere Herausforderung stellt die Begleitung der wachsenden Zahl von Menschen mit Demenzerkrankungen und die Entlastung ihrer Angehörigen dar. In dieser Lebenssituation sind Rituale und symbolische Vermittlungsformen besonders wichtig.

  • Altenpastoral fördert die Solidarität zwischen dem Dritten und Vierten Lebensalter.

  • Struktureller Wandel in der Kirche betrifft die ältesten Gemeindemitglieder in besonderer Weise. Ihr Leben ist - derzeit noch - oft stärker an Stabilität als an Mobilität ausgerichtet. Sie sind auf den unmittelbaren Lebensraum angewiesen. Die Verantwortlichen der Altenpastoral sind aufgerufen, bei allen Mitwirkenden in der pastoralen Planung auf diese Tatsache aufmerksam zu machen.

  • Altenpastoral geht auf der Grundlage gerontologischen Wissens und pastoral – theologischer Konzepte von einem differenzierten Bild älterer und alternder Menschen aus.




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