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40 Jahre Konzil! Gibt es bleibende Werte?
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Ein paar Tage des Alleinseins regen an zum Ausmustern von Büchern und Schriften, Broschüren und Briefen, gehorteten Drehpunktausgaben und Mütterseminarvorbereitungen. Den Gedanken, wie viel Mühe und Sorgfalt das einmal erfordert hat, lasse ich gar nicht erst aufkommen. Reduzieren heißt die Parole, Vergangenheit loslassen! Als die Papiercontainer gestopft voll sind und ich erstaunt feststelle, wie viel mehr Platz in meinen Fächern bleibt, denke ich dann doch Vergangenheit: Was unsere Familienrunden in früheren Jahren doch alles für Familien getan haben! Was in Mütterseminaren alles geboren wurde, das wiederum in Familien Niederschlag gefunden hat! Es war ein beglückender Aufbruch, der immer weitere Kreise zog. Mittlerweile sind wir in eine Schnelllebigkeit gerutscht, die ungeheure Unsicherheiten gebracht hat – auf allen Lebensgebieten. Computer beherrschen den Tag, Handymelodien ertönen rund um die Uhr, Verständigung erfolgt per SMS. Manche Informationen erhält man nicht mehr mit Hilfe von Telefon oder Adresse, sondern nur mehr über www.undsoweiter.at. Die Jungen, die schon in der Schule mit Computern spielen, lernen ganz andere Werte kennen, als unsere Jugend im vergleichsmäßigen Alter, von uns Alten ganz zu schweigen. In dieser Entwicklung scheinen kulturelle Werte empfindlich an Boden zu verlieren. In einer 3. Gymnasialklasse etwa wurde das Gedenkjahr von Andersen und Schiller nicht einmal erwähnt. Klassiker werden modernisiert auf die Bühne gebracht, womöglich unter „Anpassung“ des klassischen Textes an die Moderne. „Die Politiker sparen an der Kultur“, erklärte unlängst ein Schauspieler in einem Interview. „Bildung und Kultur schärfen die Sinne, das kritische Bewusstsein. Je ungebildeter die Menschen sind, umso leichter sind sie zu manipulieren. Die Leute haben nur mehr das Fernsehen – und das verblödet immer mehr.“ Im letzten Sommergespräch im ORF II (5.9.l05) mit Dr. Schüssel wurde etwas deutlich: Die sachlichen Stellungnahmen des Kanzlers zeigten klar auf, wie vieles und wie sehr in den Medien einseitig, verzerrt oder widersprüchlich wiedergegeben wird. Dadurch bekommen Leser und Hörer falsche Bilder vorgesetzt. – Ähnlich werden Meldungen aus der Kirche kolportiert. Erinnern wir uns der armseligen Ereignisse (Groer etc.), die wochenlang die Medien beherrschten und massenhaft Kirchenaustritte zur Folge hatten. Kaum eine Zeitung berichtet ähnlich genüsslich über das, was in der Kirche von Menschen für Menschen geleistet wird! Da kommt doch die Frage hoch: Gibt es Werte, die sich erhalten (haben)? An meiner fast hundertjährigen Mutter, mit der ich viele gute Gespräche führe, und die mit zwei Kindern samt Partnern, fünf Enkeln und Partnern und acht Urenkeln Kontakt hat, weil sie sich für jedes einzelne dieser Leben interessiert, erfahre ich, dass es konstante Beziehungswerte gibt, gleichgültig, wie rasch sich die Welt dreht. Kontakte wie Liebe, Zuwendung, Vertrauen und Glaube. Glauben und Vertrauen sind für diese Frau nicht nur das Feststehen in einer langen Familientradition. Sie hat vieles in ihrem „stressreichen“ Leben hinterfragt. Aber die Basis stimmt, und die hält sie, trägt sie. Wo steht der Glaube in unserer computerisierten Gesellschaft? Religiöses Empfinden ist wohl da, doch wendet es sich vielfach nach allen möglichen „Ersatzreligionen“. Ich erinnere das Gespräch mit einem jungen Buddha - Begeisterten. Er schilderte die jahrelange Bettelwanderung des ehemaligen Prinzen auf der Suche nach Wahrheit. Buddha forderte seine Jünger auf, Gutes zu tun, damit die Wiedergeburt ein Ende habe. Als er starb, wurde er von Tausenden als Meister betrauert. Zugegeben, ein beeindruckendes Menschenleben. Aber er ist weder auferstanden, noch hat er den Menschen den Heiligen Geist gesandt! Brauchen wir also für unseren Glauben neue Bilder? Woran liegt es, dass viele Kirchen in Leere gähnen, während in anderen die Verkündigung durch den Pfarrer und seine „Helfershelfer“ Gläubige anzieht, auch junge? Hat er erfasst, was Johannes XXIII. Gemeint hat, als er sagte, der Augenblick sei gekommen, „die Zeichen der Zeit zu erkennen, die von ihnen gebotenen Möglichkeiten zu ergreifen und weit nach vorn in die Zukunft zu blicken“? Der „Konzilspapst“ nannte „die gesellschaftlichkulturellen Zeichen als zentrale Herausforderungen, aber auch als Möglichkeiten einer neuen Glaubensdarstellung für die Zukunft.“ Das war 1963! Und der Ansatz zu einem „Sprung nach vorn“ war vielversprechend. Was ist seit damals passiert, abgesehen von allgemeinem Werteverlust? Weihbischof Helmut Krätzl geht in „Das gelebte Konzil“ genau darauf ein, gliedert in klare Punkte Begründung und Hilfen zur jetzigen Situation: ◦ Die Kirche muss die wachsenden Probleme durch eine sich verändernde Gesellschaft nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung annehmen. ◦ Da ist der tiefgreifende Wandel in der Gesellschaft und ihre Pluralität, zudem ist die Gesellschaft säkulär geworden, d.h. dass Alltag, Familienleben und Feiertage in ihrem christlichen Ursprung verweltlicht sind. Anruf also an die Kirche, Alternativen anzubieten! ◦ Der Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft und Politik hat abgenommen, Autoritäten werden in Frage gestellt; ergo ist die Kirche aufgerufen, neue Formen der Verkündigung zu finden. ◦ Das Selbstbewusstsein der Menschen ist gewachsen; sie wehren sich gegen Fremdbestimmung, verlangen Mitspracherecht. Dabei könnte die Tradition religiöser Orden, für die Mitverantwortung vielfach selbstverständlich war und ist, der Kirche als „Volk Gottes“ gute Modelle anbieten. ◦ Die Angst vor Kollektiv und seiner Manipulierbarkeit führt zu neuen Formen des Individualismus. Moralische Forderungen müssen daher an die Selbstverantwortlichkeit des einzelnen appellieren. ◦ Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen haben Ehe und Familie in einen starken Wandel getrieben. Kirchliche Weisungen sind ihnen keine Hilfe, eher Einengung. Von der Kirche werden Hilfen erwartet zum Gelingen von Partnerschaft! ◦ Das religiöse Bedürfnis wächst in Vielfalt, wird aber nicht aus dem Reichtum christlicher Tradition gewonnen, sondern außerhalb bei fernöstlichen Religionen und Philosophien. Noch hat die Kirche keine neue Art der Verkündigung gefunden a) um die Bedürfnisse vorurteilslos aufzuspüren, b) selbstkritisch zu erkunden, warum auch Katholiken anderswo Anleihen machen, c) die eigene Tradition in neuer Sprache (und neuen Riten) zu erschließen. ◦ Wider alle Angst gegenüber den gesellschaftlichen Veränderungen darf eine Kirche, unterwegs mit der „Menschheitsfamilie“ nicht zurück bleiben! Sie wird genau untersuchen, wo sich wesentliche Veränderungen anbahnen, und dann die Art der Verkündigung, ihre Zeichensprache und auch manche Strukturen erneuern. Dafür hat das Konzil neue Wege gewiesen, für uns die Pflicht sie zu gehen! Vertrauen wir dem Heiligen Geist! Wie sehr das II. Vatikanum von ihm inspiriert war, belegt schon die Wahl des „Übergangspapstes“ Johannes XXIII., dessen frühere konservative Haltung sich in eine unwahrscheinliche Aktivität mit innovativer Kraft wandelte. Und 2000 Bischöfe und viele Kommissionen sind in der Folge gegen manch bremsende Versuche beweglich geworden, sodass ein „neuer Geist“ zum Durchbruch gekommen ist. „Das," stellt Krätzl fest, „ist rein menschlich nicht erklärbar.“ Zweifellos zeigt sich dieses GeistWirken in den vielen Ortskirchen rund um die Welt, mit dem überraschenden Einsatz vieler Laien und der Entstehung neuer spiritueller Gruppen. Auch da wirkt der Hl. Geist, wo selbständig Neues begonnen und alter Ballast abgeworfen wird. Denn der Geist des Konzils lässt sich nicht aufhalten! Schon 1982 schrieb Prof. Dr. theol. Alfred Läggle in seiner „Kirchengeschichte, Impulse zur Kurskorrektur“ (Don Bosco Verlag): „Es darf als Gnade angesehen werden, dass die Kirche sich als „Volk Gottes“ neu zu sehen und zu verwirklichen weiß. Wo priesterlose Gemeinden entstehen, machen verantwortungsbewusste Laien Kirche lebensfähig, überlebensfähig. Kirche, die sich als „Volk Gottes“ versteht, darf sich der Führung Gottes anvertrauen und ihrer gewiss sein. Wer glaubt, weiß, wohin es geht, auch wenn er bei der Auseinandersetzung mit einzelnen Fragen keine Antwort findet. Ihn trägt sein „brennendes Herz“, die Liebe zu Jesus. Wo Liebe herrscht, da bewegt sich etwas, da wächst Veränderung, in uns und um uns. Tröstlich zu wissen, dass Gott uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,19). So können wir lieben, weil wir geliebt sind. Henriette Blasl (DP 3/2005)
GRUPPENARBEIT
I. AUFBRUCH?
Erinnern Sie, wie Ihre Runde zustande kam? Wie war das damals? Orientieren Sie sich vielleicht am besten nach dem 5.Ws:
- WARUM wollten Sie eine Familienrunde gründen? - WER war dabei? - WANN war das? - WO hat es stattgefunden? - WIE haben Sie es geschafft?
Alle Anwesenden sollten zu Wort kommen. Vielleicht sind manche später dazu gestoßen, vielleicht sind manche ausgeblieben, vielleicht wollen Sie Erinnerungen notieren, vielleicht ergänzen, was sich verloren hat.
Danach mag der Moment gekommen sein, im Gruppengespräch zu klären,
a) was sich in unserer Runde im Lauf der Jahre verändert hat, b) ob uns etwas von der Aufbruchstimmung damals erhalten geblieben ist, c) wo und wie wir weiterhin Aufbruch leben wollen und können.
Zum Abschluss des Abends möge jede(r) Ihre/seine persönliche Fürbitte sprechen. |
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Das Konzil und mein Leben
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Ich war gerade 18 Jahre alt und ich freute mich, als Papst Johannes XXIII. das II.Vatikanische Konzil ausrief. Sehr wahrscheinlich war das mitentscheidend, dass ich nach meiner Matura Dienstnehmer der Kirche wurde. Mit Begeisterung habe ich diesen Aufbruch miterlebt. Mittlerweile sind 40 Jahre vergangen und ich bin auch um diese Zeit schlichtweg älter geworden. Was ist nun geblieben von diesem großartigen Aufbruch und vor allem von den Werten, die dieser Aufbruch vermittelte. Ich war stolz, Christ zu sein. Stolz ist aber nicht unbedingt eine christliche Tugend und er wurde mir auch späterhin durch nicht gerade glückliche Personalentscheidungen genommen. Dennoch war es selbstverständlich für mich, gläubig meinen Weg weiterzugehen. Zuviel Positives habe ich erkennen und erfahren dürfen: Zuwendung und Verantwortung, Hilfe und wirksame Unterstützung bei Krankheit, Hoffnung durch Vertrauen, Freude am Leben; um nur einige meiner Erfahrungen mit und in der Kirche zu nennen. Leben! Das ist der bleibende Wert, den das Konzil zwar nicht erfunden hat, aber seine Bedeutung als eine ständige Herausforderung für alle Menschen guten Willens dargestellt hat. Es liegt an uns in dieser unserer schnelllebigen Zeit das menschliche Leben nicht zu einem funktionierenden Produktionsfaktor oder vielleicht gar zur Ware bzw. einem Unwert verkümmern zu lassen. Leben ist auch dann lebenswert, vielleicht gerade deswegen, wenn mein persönliches Leben durch bedürftige Menschen mit beeinträchtigt wird und mir unerwartete Aufmerksamkeit abverlangt wird. Da, so glaube ich, steht Christus am Weg. „Drehpunkt Familie“ fordert einen neuen Aufbruch, der bewirkt, dass wir nicht vorbei gehen an den Herausforderungen unseres Lebens und uns solidarisch erkennen mit allen, die Zuwendung und Aufmerksamkeit einfordern. Ich weiß, es ist schwer genug. Trete ich doch selbst in den Herbst meines Lebens und kann mir im Umgang mit meinen noch lebenden Eltern lebhaft vorstellen, wie mühsam sich mein Weg in das Leben nach dem Tod nicht nur für mich gestalten kann. Meine Eltern freuen sich, wenn durch meine Enkelkinder unbekümmertes Leben den Alltag aufhellt. Und wenn es nur für kurze Zeiten ist.
MJ (DP 3/2005) |
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GRUPPENARBEIT
II. IM GESPRÄCH ZU-HÖREN/ANT-WORTEN
freundlich zerstreut offen überlegen aufmerksam rechthaberisch humorvoll mahnend behutsam liebenswürdig abweisend grantig gedankenlos rücksichtslos lächelnd patzig verständnisvoll
Es wäre sinnvoll, von dieser Liste Kopien für die RundenteilnehmerInnen anzufertigen.
Wenn man diese Ansammlung an Gesprächshaltungen liest, fällt es nicht schwer, jene herauszufinden, die man gerne mag. (Vielleicht fallen Ihnen noch ein paar ein?)
1. Tun Sie das! 2. Überlegen Sie paarweise, wie Gespräche in Ihrer Familie stattfinden, wenn die Generationen (Eltern, Kinder, Großeltern) beisammen sitzen. Wem würden Sie welche Gesprächshaltung beigeben? Und: Wie reagieren die anderen darauf? 3. Erzählen Sie signifikante Beispiele der Gruppe. 4. Im Gruppengespräch könnten Sie herausfinde, wie man unangenehmen Gesprächshaltungen begegnen, sie vielleicht sogar ändern könnte. Wie würden Sie dabei vorgehen? Welche Haltungen sind hilfreich? Welche muss man unbedingt vermeiden?
Zum Abschluss zum Nachdenken:
Worte
Können behindern verletzen krank machen
Worte
Können öffnen trösten heilen
Dein Wort entscheidet
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GRUPPENARBEIT
I. VOM ALTWERDEN
1. Zur Einstimmung:
„Herr du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich vor der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. - Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein. Bei meiner ungeheuren Ansammlung an Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber du verstehst, o Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Ich wage auch nicht, um ein besseres Gedächtnis zu bitten – nur um etwas mehr Bescheidenheit und etwas weniger Bestimmtheit, wenn mein Gedächtnis nicht mit dem der anderen übereinstimmt. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte nicht unbedingt ein Heiliger sein, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels. Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.“ (Unbekannter englischer Verfasser)
Lesen Sie das Gebet langsam vor. Fein wäre es, Kopien zu erstellen für jede(n) TeilnehmerIn; dann könnten alle mitlesen. 1. Fällt Ihnen jemand ein, dem Sie das Gebet ins Stammbuch schreiben möchten? Wer will mag kurz darüber erzählen. 2. Welche, der hier angesprochenen Eigenschaften trifft auf mich zu? Erzählen Sie der Gruppe, was Ihnen so kommt. 3. Gruppengespräch: Alt wird man nicht von heute auf morgen. Es ist gut, sich bewusst zu machen, was uns an Alternden nicht so gut gefällt, um uns selbst rechtzeitig „umzustellen“. Welche Eigenschaften möchten Sie fördern? Wie möchten Sie gerne alt sein?
Lesen Sie zum Abschluss das Gebet noch einmal durch.
Gebetstext aus Reinhard Abeln/Anton Kner: „Wie werde ich fertig mit meinem Alter?“ |
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WACHSTUM UND REIFE
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Wer gern „unter die Leute” geht und genau zuhört, lernt, wie die Raschlebigkeit und flotte Veränderlichkeit unseres Jahrhunderts ihren Einfluss hat auf das Miteinander der Generationen. Was vor ein paar Jahren als modern galt, ist heute nicht mehr "in". Die ganz Jungen “flippen” von einem "Event" zum anderen kein Wunder, dass sich die Alten da nicht zurechtfinden, und durch Kritik unbeliebt machen. Oft gründet diese kritische Haltung in ihrem eigenen Leben: Sie haben einfacher gelebt, vieles nicht erleben dürfen, können, haben weniger gesehen von der Welt. Abgesehen vom romantisierenden “Ja zu meiner Zeit ...”, empfinden manche Trauer, Neid vielleicht, Verbitterung über Versäumnisse. Solche negativen Gefühle verstärken die kritische Haltung gegenüber den Jungen. Andere wieder haben im Umgang mit Kindern und Enkeln dazu “gelernt”: Das Familienleben (Berufstätigkeit der Kinder) fordert sie zur Hilfestellung heraus, zum Mittun und Mitdenken; da bleibt kaum Zeit für unangenehme Reminiszenzen. Altwerden bedeutet oft neuerliches Kindwerden. Auch da ist das Eingebundensein ins Familienleben eine Hilfe: Diese Großeltern bleiben geistig(und körperlich) generell reger als jene, die ohne ausgiebige Betätigung ihre zunehmenden Leiden pflegen.
Den Jüngeren aber sei Goethe ins Stammbuch geschrieben: “Keine Kunst ist’s alt zu werden; es ist Kunst, es zu ertragen.”
Gefestigte Persönlichkeiten stehen im Alter standhaft zu ihren Werten. Ein Beispiel mag dies dokumentieren: In der Familie kam die Sprache auf die Begrenztheit des Lebens. Der junge Mann in den Zwanzigern erklärte: “Wenn ich wüsste, dass ich nur mehr ein Jahr zu leben hätte, würde ich alles verscherbeln und das Leben genießen.” Der Großvater hingegen sagte: “Ich an deiner Stelle würde schaun, dass das Haus fertig wird!” Hier zeigt sich die begrenzte Wahrnehmung des Lebens und Einstellung zum Leben des Jungen; wir kennen sie aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Heute allerdings springt sie uns als allgemein gegenwärtig ins Auge, gefördert durch breit gesteckte Angebote für die Jugend, von keinerlei Verantwortung eingeengt. Weshalb es ihr um “fun” geht, jetzt im Augenblick genossen – Werte nicht gefragt. Zudem wird ihr äußerst medienwirksam eine Scheinwelt des Erwachsenseins vorgegaukelt (Trend, action, Realitiy-TV,…), die sie für echt und erstrebenswert hält. Und da sie ziemlich lang im elterlichen Nest sitzt, werden Lebensentscheidungen hinausgeschoben; das Erwachsenwerden zieht sich ... Der Großvater hat Kriegs und Nachkriegszeit erlebt und erfahren, dass vieles zum Leben gar nicht so wichtig ist, wie es heute vorexerziert wird. Und: Er will etwas hinterlassen; das Haus, an dem er und seine Söhne schon längere Zeit bauen. Die Söhne und Töchter! Die mittlere Generation ist in den Sog der rasch wechselnden Moderne gezogen worden, in neue Lebensformen, neue Aussichten und Ziele. Ihnen wird vorgespielt, dass alles machbar, käuflich ist. Doch meistens haben sie das durchschaut; ihre Verantwortlichkeit in Familie und Beruf zieht ihnen Grenzen. Gut, wenn sie in ihren persönlichen Lebensformen zu Ausgeglichenheit gefunden haben, weil ihnen von kleinauf Werte vermittelt worden sind, und sie selbst nach Werten gesucht haben, die tragfähig sind. Gerechter Weise muss hier festgehalten werden, dass es sehr wohl Jugendliche gibt, die sich trotz der hier genannten Versuchungen für andere Menschen einsetzen, und das auf beispielhafte Art (Malteser Alten und Krankendienst, Johanniter, Behindertenarbeit, Bauorden, u.v.a.) Woher haben sie das Gespür dafür? Wo haben sie das gelernt? Darum geht es uns beim oben grob gezeichneten Bild der Generationen in der Gegenwart: Wie gehen wir in den Familien damit um? Können drei so unter¬schiedliche Altersstufen miteinander reden (darüber)? Gibt es überhaupt eine akzeptable Gesprächsbasis? Wie bringen Eltern muffige Halbwüchsige dazu, ihre Probleme und Fragen auszusprechen? Und wie reagieren die Eltern darauf? Wie können verdrießliche Alte dazu animiert werden, mehr Verständnis für die Jungen aufzubringen?
Es geht immer um den einzelnen Menschen, um seine persönliche Lebenseinstellung und Gestaltung. Sie wirkt sich auf die Mitmenschen aus, weckt Mitgefühl und Zuwendung oder Abneigung. Ich denke an die alte Professorin, die unzähligen Schülerinnen mit viel Liebe und Einsatz zum Leben verholfen hat. Nun lebt sie, fast erblindet, allein.
Oft kommen im Altern Ängste hoch, die lange Jahre durch Sorgen und Mühen zugedeckt waren, nun, mit dem Zeithaben, in Zweifel und Selbstvorwürfe münden. Sie aber steht zu ihren Gaben, Schwächen, und Fehlern, ohne sich Ängsten und Schuldgefühlen hinzugeben. Sie hat es Jahrzehnte lang eingeübt: JA SAGEN ZU SICH SELBST.
Mir fällt der rechthaberische Paterfamilias ein, der auf alle Druck ausübt und sie zu seiner Meinung bekehren will. Erfahrungen, die man in langen Jahren gesammelt hat, führen leicht zu Besserwisserei. Damit aber macht man gleichberechtigte Gespräche unmöglich. Ihm gilt, was Johannes XXIII. gesagt hat: NIMM DICH NICHT SO WICHTIG! Nicht du lenkst die Welt, sondern Gott. Schmerzlich der Gedanke an die alte Dame, die bis zu ihrem Tod mit allem unzufrieden war und überall „ein Haar in der Suppe“ fand. Sie hatte alles, was man zum Leben braucht, hatte gute Menschen, die sie mit Liebe umsorgten. SEI DANKBAR! möchten wir solche Menschen mahnen. Dankbar für das Leben, mag es auch beschwerlich sein, dankbar für die Menschen rundum, für die Sonne, die dir scheint, für die Natur. In dem Zusammenhang kommt mir der Freund in den Sinn, der seiner Familie und seiner ganzen Umgebung das Leben schwer macht mit seinem Pessimismus. In seiner negativen Weltsicht erstickt er dem Gesprächspartner jede positive Gesinnung. Ihm möchte ich sagen: Versuche Abstand zu gewinnen vom ärgerlichem Kleinkram, schau auf das Wesentliche, ohne "Grant", erfreu dich am Schönen und Guten! Vor allem aber: HAB HUMOR! Dir Mutter (Großmutter), die sich um jeden in der Familie abquält, die Rückschläge, Sorgen und Kummer in schlaflosen Nächten immer wieder neu erlebt, rufen wir zu: Du bist nicht für alles verantwortlich, was rund um dich passiert! Du hast deinen Teil getan, und tust es weiter, also: LASS LOS UND HAB VERTRAUEN! Vertrauen in Gott.
Diese Menschenbilder aus Alter und „Mittelalter“ greifen nur ein paar aber wesentliche Wegweiser fürs persönliche Leben heraus, weil sie Grundhaltungen aufzeigen. Wenn sie eingeübt werden, können sie innerhalb der Familie zu einem gedeihlichen Miteinander führen, das sich auch auf die Jungen auswirkt, Henriette Blasl (DP 4/2002)
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Begeisterung, die bleibt?
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Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn. (Hld 8,6f.)
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnisse hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, läßt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (1 Kor 13,1-8a.)
Wer hat diese beiden Bibelstellen nicht schon einmal bei einer Trauung gehört? Viele Brautpaare wählen gerade diese Texte, da sie sehr gut unsere Vorstellung von Liebe ausdrücken: eine gewaltige Lebensmacht – kostbarer als alle Güter dieser Welt, ja sogar wertvoller als alle geistlichen Gaben, stärker als alle anderen Kräfte, letztlich sogar stärker als der Tod. Nichts weniger ersehnen wir vom Leben als eine von einer solchen Liebe getragene Beziehung, die das ganze Leben anhält, die Wärme und Geborgenheit gibt in einer Welt, die Wirtschaftlichkeit und Profit zu ihren obersten Kriterien erhoben hat. Und von unserem Partner bzw. unserer Partnerin erhoffen wir, daß er/sie diese tiefe Liebessehnsucht zu stillen vermag. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Die meisten Scheidungen erfolgen bereits nach relativ kurzer Zeit - nach zwei bis drei Jahren Ehe. Was aber ist aus der Liebe geworden, die man einmal füreinander empfunden hat? Warum ist die Begeisterung des Anfangs verflogen? Hat der Alltag die Gefühle füreinander erstickt? Und was hätte getan werden können, um die Liebe zu erhalten? In der Phase des ersten Verliebtseins ist alles ganz einfach, wir sind davon überzeugt, füreinander bestimmt zu sein und perfekt zueinander zu passen. Aber im Laufe der Zeit müssen wir erkennen, daß trotz aller Übereinstimmungen auch Konflikte auftauchen, daß uns der Partner/die Partnerin doch nicht in fast allem gleicht. Wichtig wäre es, in solchen Konflikten eine Chance zu erblicken, die Beziehung zu erneuern, indem man sich durch die gemeinsame Bewältigung von Problemen näher kommt, als man es zuvor gewesen war. Trotz der Notwendigkeit einer solchen „Entzauberung“ kann der Zauber des Anfangs zu einer bedeutenden Kraftquelle für die Beziehung werden, wenn es uns gelingt, ihn in den Alltag „hinüber zu retten“. So können wir den Hochzeitstag, den Tag des Kennenlernens oder einen anderen Tag, der für die Beziehung eine besondere Bedeutung erlangt hat, zum gemeinsamen „Feiertag“ ausgestalten. Ebenso kann ein gemeinsam gestaltetes Album, in dem alle für uns wichtigen Ereignisse dokumentiert werden, die wichtigen Stationen des Liebesweges in Erinnerung rufen. Oder wir könnten einen Ort in unserer Wohnung einrichten, der nur unserer Beziehung gewidmet ist, z.B. eine Pinwand, wo Fotos, Notizen, Erinnerungsstücke, aber auch Pläne für gemeinsame Unternehmungen ihren Platz finden. Wesentlich für das Gelingen einer guten Beziehung ist, sich regelmäßig Zeit füreinander zu nehmen - trotz aller Müdigkeit, Probleme in der Arbeit oder mit den Kindern. Am besten ist es, in regelmäßigen Abständen Zeit einzuplanen, die nur füreinander bestimmt ist. Schon das Planen dieser Stunden zu zweit kann zum gemeinsamen Erlebnis werden, egal ob es sich dabei um ein Candlelight-Dinner zu Hause oder einen gemeinsamen Theater- oder Kinobesuch handelt. Aber widerspricht eine solche Verplanung nicht der Spontaneität der Liebe? Im Gegenteil: die Erfahrung zeigt, daß die Spontaneität im Alltag schnell verlorengeht, wenn sie nicht besonders gepflegt wird. Fixtermine hingegen können das Fundament für weitere spontane Liebesäußerungen bilden. Denn je näher sich die Partner kommen, desto größer wird das Bedürfnis, dem Partner/der Partnerin seine Liebe auch in den Kleinigkeiten des Alltags zu zeigen. Diesen kleinen Aufmerksamkeiten sollten wir in unserer Beziehung besondere Bedeutung zumessen, da sie den Alltag mit Liebe „würzen“ und so dazu beitragen, die alltäglichen Schwierigkeiten - auch zwischen den Partnern - zu bewältigen. Diese Vorschläge sind natürlich in keiner Weise vollständig. Denn wer liebt, wird Kreativität und Phantasie entwickeln, um gemeinsam mit dem Partner/der Partnerin ganz persönliche Wege zu finden, die Begeisterung füreinander wach und damit auch die Liebe in der Beziehung lebendig zu erhalten. Martina Piber (DP 4/2001)
kana
von dem zu lernen der wasser zu wein machte – kana ist täglich und wir die verwandler zeiten in hoch-zeit jeder morgen stellt uns volle wasserkrüge hin (Rudolf Weiß)
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DEN ERO-TISCH DECKEN..
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Erotische Kultur besteht aus vielen Elementen: aus Zärtlichkeit, die mehr ist als ein zarter Wink ins Bett, Zeit füreinander haben, Atmosphäre schaffen, die Romantik nicht zu kurz kommen lassen, ein Spiel aus Lust und Liebe, Führen und Verführen, ein Fest der Sinne.
Rudi Weiss |
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„ E R O S “ Lebenskraft - Lebenslast
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Es ist höchst eigenartig, aber eine Erfahrung, die ich immer wieder machen durfte: kaum habe ich mich einem Thema zugewandt, so strömen mir Gedanken zu und ich stoße fast laufend auf entsprechende Literatur, stelle fest, dass das gestellte oder gesuchte Thema auch anderweitig aufgegriffen wird. So wurde vor kurzem in einer „Kreuz&Quer“-Sendung im ORF das Thema „Sex und die Sehnsucht nach Erotik“ behandelt, die ich jedoch leider nicht gesehen habe, und in der „Presse“ vom 3./4. November fand sich im „Spectrum“ eine Betrachtung über den „erkalteten Eros“ unter dem Titel „Schwierige Kunst der Selbsterwärmung“. Ich schließe hier kurz an einige Sätze aus diesem Artikel - im Gefolge von Platons Symposion - an, weil sie mir als Ausgangspunkt für meine weiteren Gedanken sehr zutreffend erscheinen: „Es ist der Eros, der die Welt zusammenhält. [...] Der wohlverstandene Eros will nicht [...] konsumieren, sondern produzieren. Er ist die schöpferische Macht schlechthin, er ist Neugier, Lust auf die Welt, Liebe zur Weisheit. Der Eros will das Sein sein lassen – in einem doppelten Sinne: es hervorbringen, ins Sein hinauslassen. Das ist der tätige Aspekt. Und der kontemplative Aspekt: die Schau des Schönen, wie Platon sagt. Dabei wird das Sein seingelassen im Sinne von: in Ruhe gelassen mit der Folge, dass dieses sich in seiner Fülle zeigen kann.“ Wann immer ich von etwas angerührt, ergriffen wurde, so berührte mich dieses bis ins Innerste, ließ mich nicht los, ließ mich erschauern, erbeben – eine sehr früh erfasste Erfahrung, aufgenommen und genährt. Es gab diese Erfahrung auch in der Begegnung mit Schönem, in der Musik, im Bereich der Kunst: es hatte mit anziehender Ästhetik, mit Faszination zu tun. Der tragende, gemeinsame Grund all dessen war Begegnung, für die ich offen war und die mich offen machte für Beziehungsfelder. Später habe ich dann das Wort von M. Buber in diesem Sinne verstehen gelernt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“ In meinem noch kindlichen Empfinden war es zunächst das mütterlich Bergende, was ich erleben durfte und die Sehnsucht danach, die sich damit verband; später entwickelte sich daraus der Wunsch, solches – in meinem Fall wohl väterlicher Art – be-schützend, begleitend anderen anzubieten – eines der Motive, weshalb ich Lehrer geworden bin. K. Löwit verdanke ich den Gedanken, dass jede Form von Liebe primär von Zu-Neigung getragen ist, die wörtlich zu nehmen ist: die Mutter neigt sich dem Kinde zu, der Arzt seinem Patienten, der Lehrer dem Schüler und schließlich neigen sich Liebende einander zu, um sich in Liebe und Zärtlichkeit zu umfangen... Dahinter steht Offenheit, der Wunsch, aufeinander zu hören, gehört zu werden, der nur in der Zuneigung, in der deutlich gemachten Nähe erfüllt werden kann. Zärtlichkeit hat mit Zartheit zu tun, hat jemand einmal sinnreich formuliert, denn alles was zart ist, stimmt uns zärtlich. Wir sollten uns Zeit nehmen, darüber viel zu meditieren! Ein Mensch, der kostbare, zerbrechliche Gegenstände sammelt, wird ganz behutsam, fasziniert und ergriffen mit ihnen umgehen. Noch viel mehr ist solches von uns gefordert, wenn wir zarten Lebewesen, Pflanzen, Tieren und schließlich Menschen begegnen – zarten Kinderseelen, welche viele Erwachsene nach wie vor in sich tragen und daher so verletzlich sind. Ein „erotischer“ Mensch muß und wird sich dieser Tatsache stellen und entsprechend verhalten. Sind Eltern nicht letztlich solche, die ihre Kinder auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu-geneigt liebevoll begleiten, um sie dann – mit Wehmut – in ihre eigene Welt frei geben zu müssen? Stationen des Lebens! Ist nicht der Arzt aus Berufung ein solcher, der aus dem Eros seines Berufes, den er aus Liebe zu den Menschen ergriffen hat, sich voll und ganz seinem Patienten zuwendet, ihm zuhört und im Idealfall mit zur Verfügung stehender Zeit eine Diagnose erstellt, die zwar mit seiner ärztlichen Erfahrung ( = ärztliche Kunst!) zu tun hat, aber auf der nun gewonnenen Kenntnis seines Patienten beruht (Bedeutung der Anamnese!). Eros, der nicht konsumiert, sondern altruistisch denkt, hat immer auch mit Begeisterung zu tun: ich bin von etwas erfüllt, was sogar mit einer Art Sendungsbewusstsein zu tun hat; ja, warum nicht? Ich darf hier noch den Beruf des Lehrers anführen: ist nicht auch er einer, der seine Schüler aus und mit seinem zuvor erworbenen Wissen begleiten kann? Schüler bedeuten Stationen seines Lebens, Schüler, die ihm anvertraut sind, denen er sich zuwendet, um sie schließlich doch wieder entlassen zu müssen. Zuneigung aber wird erwidert: wie viel habe ich von meinen Schülern erfahren dürfen! Verschwiegen soll nicht die Enttäuschung werden – es gab genug davon; und manche von meinen Schülern habe wohl auch ich enttäuscht... Und doch: so vieles habe ich von ihnen in all den Jahren lernen dürfen, aus ihrer Ehrlichkeit, ihrer Offenheit, ihrer Dankbarkeit; und es gab auch viele, die mich weit überholt haben. Jede echte Autorität muß nicht nur loslassen, sondern sich auch überholen, gleichsam „besiegen“ lassen, sie muß überflüssig werden können! Eltern müssen sich von ihren Kindern, Lehrer von ihren Schülern, Professoren von ihren Studierenden „überwinden“ lassen... Stationen meines Lebens, Stationen eines Lehrerlebens, als Elternteil, immer wieder Stationen, wo ich mich anderen zuwenden konnte und letztlich doch, andere zurücklassend, meinen Weg zu gehen habe, zu einem Ende auf dieser Welt, von dem ich noch nicht weiß, wann es sein wird, aber wohin andere, die ich begleiten durfte, mir bereits vorausgegangen sind... Prof. Klaus Porstner (DP 4/2001) |
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EROS ? Versuch einer Antwort
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Das Gespräch mit jungen Leuten machte mich mutlos. Ich war in ihre Gesellschaft geraten, eine Gruppe junger Frauen und Männer, der Sprache nach gebildet, modern "gestylt" und selbstbewußt, und ich hatte die Frage nach dem Eros gestellt. "Ach ja, der Engelgott mit dem Pfeil!" Danach Erotik bis in die Fingerspitzen und aufregender Sex (wenn‘s mit einem nicht Spaß macht, dann mit einem anderen); sogar Freud wurde zitiert. Da kam mir Erich Fromm in den Sinn, der an einer Stelle in "Die Kunst des Liebens" in etwa sagt: "Die Liebe als gegenseitige sexuelle Befriedigung ist die Form des Verfalls der Liebe in der modernen westlichen Gesellschaft." Eros, Gott der Liebe der griechischen Mythologie, ist (wie der römische Amor) in die Kunst des Abendlandes eingegangen, verewigt auf Gemälden alter Meister, heute oft auf Hochzeitskarten, ausgestattet mit Pfeil und Bogen. Um lieben zu können, muß der Schuß auf die Herzen sitzen. Liebe also als Gefühl, überwältigend und beglückend? Eros? Eros umfaßt das menschliche Leben in vielen Facetten und: er bedarf der Liebesfähigkeit! Liebesfähigkeit entwickelt sich aus dem ständigen Bemühen, dem "tätigen Bestreben" (Fromm) um Zuwendung, Zuneigung, um die Zusage zum anderen. Sie ist aber auch die Herausforderung, sich selbst zu entwickeln, zu wachsen, ob nun Harmonie herrscht oder Nichtverstehen, "in guten wie in bösen Tagen". Das meint Verantwortung übernehmen für den anderen, ohne Macht ausüben zu wollen; meint Achtung zu haben, d.h. den anderen so zu sehen, wie er ist; meint Fürsorge als "tätige" Sorge, ohne zu bemachten; - ein lebenslanges Mühen in der Partnerschaft, zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern, Freunden, Menschen, die uns zukommen. Das Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ist Wegweiser dazu. Selbstliebe ist nicht Egoismus! Selbstliebe meint die Annahme meines Ich mit meinen guten und schlechten Seiten. Elisabeth Kübler-Ross spricht in ihrem Buch "Geborgen im Leben" (siehe Leseecke) vom Potential in jedem Menschen, alles zu sein, von Gandhi (das Gute) bis Hitler (das Böse). Das Potential für Negativität zu leugnen, sei das Gefährlichste, das wir tun könnten. Geben wir es aber zu, können wir daran arbeiten und die Fassade loslassen, die wir aufgebaut haben, um "echt" zu werden. Liebende Hingabe darf nicht von sich wegschauen: Ich bin nicht wichtig, bin so unscheinbar. Diese falsche Sicht hat viele verschrobene Menschenbilder verursacht. Mangelnde Selbstliebe wird erzogen. Im letzten Drehpunkt haben wir dargestellt, wie in Kindern, denen nichts zugetraut wird, Lebensangst entsteht. Sie verhindert jene Sicherheit, die es ermöglicht an sich selbst glauben zu können. "Wenn Sie sich bewusst sind, wie kostbar und wertvoll Sie sind, steigern Sie Ihr Selbstwertgefühl“, erklärt Kübler-Ross. Die Erkenntnis daraus: Der Mensch kann nur andere lieben, wenn er sich selbst liebt! Dafür gibt es keine Rezepte. Liebe wächst in jedem menschlichen Individuum in dem Ausmaß, wie es imstande ist zu glauben; glauben an sich selbst, an das eigene Können, Denken, Urteilen. Es ist ein Glaube, der Mut macht, Schwierigkeiten und Enttäuschungen zu akzeptieren; Herausforderungen also bei den kleinsten Alltäglichkeiten. Sie erfordern Wachsamkeit. Denn es geht um die Kultur des Eros, und "Kultur" meint Pflege. Eine Pflanze, die nicht gepflegt wird, verkümmert. Aus zärtlicher Pflege wächst Freude, wächst Begeisterung an der Zuwendung zum anderen hin. Es geht auch um eine Kultur der Erotik, die im Begehren den Menschen erkennt. "Die Erotik ist ein Köder an der Angel Gottes," formuliert es Henri Boulad. Und auch: Eine (andere) Frau, einen (anderen) Mann im Gleichklang zu erleben, ohne jedoch sie/ihn zu begehren! (9.Gebot). Lieben also mit der Begeisterung eines Kindes, umfassend, vollkommen, im Wachsen. Lieben ist das tiefste, vitalste, realste Bedürfnis jedes Menschen, das Wichtigste auf der Welt überhaupt. "Ich zeige euch einen (anderen) Weg, einen, der alles übersteigt," sagt Paulus im 1.Korintherbrief, und beginnt seine Hohelied der Liebe (1 Kor 13, 1-13): "Wenn ich ....., hätte aber die Liebe nicht ... Und später (11): "Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.“ Können wir daraus das Wachstum der Liebe ablesen, das Erwachsenwerden in Liebe? An vielen Stellen der Hl. Schrift wird auf dieses Wachsen hingewiesen: "Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander." (Thes.3/12) Wir erkennen, dass unser vollkommenes Glück erst darin besteht, vorrangig die anderen glücklich zu machen," schreibt Henri Boulad, und nennt das die „göttliche Führung und unseren inneren Wegweiser.“ In seinem Buch "Dimensionen der Liebe“ (Persönliche Aufzeichnungen, Ed. Tau 1999) folgert er: "So steht also die Eigenliebe an der Wiege der Nächstenliebe. Welch bewundernswerte Pädagogik Gottes in unserer Welt.“ HB (DP 4/2001) |
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- Nähe und Distanz -
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Oft kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Freundschaften nur noch nach den Kriterien der „Nützlichkeit“ erhalten und gepflegt werden, und nicht nach der Freude am Sein des Anderen. Dieser Drehpunkt befasst sich mit dem solidarisierenden Umgang miteinander in den unter-schiedlichen Lebenswelten. Zeitgeistige Medien tragen dazu bei, dass der Mensch zunehmend zur Ware wird und wir merken oft nicht, wieviel Geld wir dafür ausgeben. Das Produkt „schöner Körper“ bringt viel Profit. Es ist geradezu paradox, dass gerade diese Medien die zunehmende Impotenz im Umgang miteinander beklagen. Seitenweise Umfrageergebnisse geben ein deutliches Zeugnis von der Glückserwartung und von der Unzufriedenheit der Befragten. Noch im selben Heft findet man dann auch gute Tipps, wann man sich am besten scheiden lässt. Gleich daneben Tipps gegen die Löcher in die man nach einer Scheidung fällt. Ich frage: Ist dann die Glückserwartung erfüllt? Ist es das, wovon man sich be-geistern lässt? Wir brauchen eine andere Be-geisterung aus der ein guter und gesunder Umgang miteinander möglich wird. Das Spiel von Nähe und Distanz ist ja nicht nur auf den/die Ehepartner/in beschränkt. Es gibt nahezu keinen persönlichen Kontakt, wo es nicht wirksam wird. Dieses Spiel hat seine natürliche Grenze dort, wo die Verletztheit der/des Lebenspartner/in/s berührt wird. Das schreibt sich leicht, kann aber offensichtlich nur schwer gelebt bzw. gespürt werden. Ich halte das aus einem begeisterten Glaubensleben heraus für gut möglich. JM (DP(4/2001) |
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GRUPPENARBEIT
I. REDEN WIR ÜBER DEN MANN
Lesen Sie als Einstieg einen kurzen Text aus diesem Drehpunkt vor, der Ihnen am passendsten erscheint.
Die Gruppe teilt sich:
1. Jeder männliche Teilnehmer überlegt, wie er sich in seiner Männlichkeit sieht und fühlt; besprechen Sie in der Kleinrunde. Die Frauen denken darüber nach, welche Eigenschaften sie an Männern schätzen, welche nicht. (Notizen zum Gespräch.)
2. Gedankenaustausch im Gruppengespräch.
3. Lesen Sie die Studie Volz-Zulehner vor. Fragen an die Männer: Zu welchem angesprochenen Typ zählen Sie sich? Bejahen sie diesen Typ voll und ganz, oder sind Sie teilweise anderer Meinung? Was sagen die Frauen dazu? Und: welcher Mann-Typ ist Ihnen sympathisch, welcher nicht? Begründungen.
Zum Abschluss: Welche Bibelstellen fallen Ihnen spontan ein, die männliches Verhalten beschreiben?
II. VON GROSSVÄTERN, VÄTERN, BRÜDERN, EHEMÄNNERN,
1. Jede(r) TeilnehmerIn versucht wichtige Männer in ihrem/seinem Leben zu charakterisieren. Notieren Sie deren typisch männliche und weibliche Eigenschaften.
2. Wer hat Sie am meisten beeinflußt, geprägt? (positiv/negativ)
3. Im Gruppengespräch nehmen die anderen Stellung zu den einzelnen Aussagen.
4. Wie sollten ihrer Meinung nach Vorbilder für die heranwachsenden Burschen sein? Was wären deren wichtigste Eigenschaften? Listen Sie auf nach männlichen und weiblichen Anteilen.
5. Vergleichen Sie mit Ihren Notizen zu 1. Hat sich da etwas verändert? Was?
Zum Abschluss eine Meditation:
Zuversicht auf weiten Wegen
Wie oft ist der Karren meines Lebens aus den vorgefahrenen Spuren gesprungen. Wie oft haben mir Steine den Weg versperrt. Wie oft bin ich durchgerüttelt worden und in eine Sackgasse geraten. Wie oft hab sich aber auch ein Mensch zu mir gesetzt und mich ein Stück auf der Straße begleitet. Hat mir Zuversicht geschenkt, mein Herz angeführt. Da weitet sich unversehens der Weg. Der Blick ins offene, besonnte Land liegt nun vor mir. |
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